Oman: Wüste, Wadis und Weihrauch

Publiziert am 01.07.2025 | von Lisa Ressegatti

“So ein ruhiges und authentisches arabisches Land haben wir noch nie erlebt.” 

Sobald wir die Grenze von Dubai zum Oman überqueren, befinden wir uns in einer anderen Welt. Die Hochhäuser der Emirate weichen niedrigen Gebäuden, die sich architektonisch perfekt in die Landschaft integrieren. Die vielen Autos machen Platz für Ziegenherden und die grossen Malls weichen kleinen Supermärkten mit einem begrenzten Angebot. Wir reiben uns die Augen, können Grenzen einem wirklich so schnell in eine andere Umgebung katapultieren? Normalerweise kündigt sich doch das nächste Land bereits vor der Grenze etwas an, aber nicht hier. Wir sind plötzlich alleine auf der Strasse und es wird unglaublich ruhig. Und es bleibt so ruhig bei unserer 1-monatigen Reise quer durch den Oman. 

 

Beste Reisezeit: Nur in den Wintermonaten, dann ist die Temperatur sehr angenehm.

Wie lange? 2 Wochen.

Für wen eignet sich eine Reise in den Oman? Naturliebhaber, die Ruhe und authentische arabische Kultur suchen, für Abenteurer, die neues entdecken möchten und natürlich für Taucher.

Für wen eignet sich eine Reise in den Oman nicht? Für alle, die Wert auf Hipstercafés, Boutiquehotels und Nachtleben legen. Die Infrastruktur ist sich ständig am Entwickeln, doch noch ist die Mehrheit des Landes absolut unberührt und wir haben noch nirgendwo solch eine intakte Natur erlebt über und unter Wasser.

Wie bereist man das Sultanat am besten? Mit einer kleinen Gruppe, mit dem eigenen Mietwagen und wer möchte – mit einem Camper mit Dachzelt, denn Zelten ist im ganzen Land erlaubt und die Plätze sind an Schönheit kaum zu übertreffen.

Was muss man beachten? Backpacken ist nicht einfach möglich, der öffentliche Verkehr noch nicht dafür ausgebaut und Transporte und Unterkünfte teuer. Die Infrastruktur ausserhalb der Städte ist begrenzt und über Mittag schliessen die Geschäfte und Supermärkte, daher immer genügend Wasser und Snacks mitnehmen.

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Bestens ausgebaute Strassen führen heutzutage selbst in sehr entlegene Dörfer und die meisten Omanis besitzen ein Haus. Kaum zu glauben, dass es in den 70er Jahre nur drei Strassen gab. Fast durchgängig regierte Sultan Qaboos bis zu seinem Tod im Jahr 2020 und seine Amtszeit wird auch als die «Renaissance des Oman» bezeichnet. Er setzte auf Reformen, Bildung und den Ausbau der Infrastruktur unter gleichzeitiger Bewahrung der kulturellen Identität und gewann dadurch eine bis heute andauernde Beliebtheit im ganzen Land. Sein vorbildliches Modernisierungskonzept ohne Aufgabe der Traditionen hat den Oman strategisch gut für die Zukunft vorbereitet. 

Man fühlt sich sofort wohl in diesem Land, das sich trotz dieser behutsamen Modernisierung seine Traditionen bewahrt hat. Selten haben wir die arabische Welt so authentisch erlebt. Die Einheimischen tragen mehrheitlich ihre traditionellen Gewänder und kein Mann würde ohne seine Kuma (traditionelle Kappe) aus dem Haus gehen und überall in den Strassen nehmen wir den berühmten Weihrauchduft wahr. Die Weihrauch wird weiterhin von Hand abgebaut in der Region Dhofar um Salalah. Doch so weit reisen wir nicht. Wir beschränken uns auf die einsame Halbinsel Musandam, das Hajar-Gebirge, die Wahiba Sands Wüste und die Höhepunkte auf dem Weg zurück nach Muscat mit Forts, Wadis und langen Sandstränden. Drei Highlights der Reise möchten wir gerne mit euch teilen.

Halbinsel Musandam: Abgelegene Fischerdörfer und eine eindrückliche Fjordlandschaft

Ca. 30'000 Menschen leben auf der Halbinsel Musandam, eine Exklave des Omans, umgeben von den VAE und an der Strasse von Hormuz gelegen, nicht weit entfernt vom Iran. Durch die Abgeschiedenheit war die Region lange nicht von Bedeutung und bis in die 1980er Jahre gab es kein Radio oder Telefon. Und eines gibt es in Musandam immer noch nicht: Trubel, Hektik und Touristenmassen. Der Tourismus hier ist noch relativ jung, denn erst seit 1992 darf man die Halbinsel bereisen, davor war sie militärisches Sperrgebiet. Die Menschen leben vom Fischfang und der Landwirtschaft. Der Höhepunkt ist eine Boots- oder Kajaktour durch die Fjordlandschaft zu abgelegenen Fischerdörfern, die nur über Wasser erreichbar sind und von Hirten- und Fischerfamilien im Winterhalbjahr bewohnt. Im Sommer ziehen die Familien nach Khasab, wenn die Hitze im Fjord unerträglich wird. Die Kinder nehmen das Boot zur Schule in den Hauptort und werden dabei von Delfinen und Mantarochen begleitet, wie es wohl wäre an so einem abgelegenen Ort inmitten intakter Natur aufzuwachsen?

Ein Kontrast dazu das Hinterland der Halbinsel: Hier befindet sich mit dem Jebel Harim der höchste Punkt Musandams, umgeben von tiefen Schluchten und grünen Hochebenen. Auf Feldern und Wiesen grasen Esel und Schafe und es gedeihen Dattel- und Bananenpalmen. Von Musandam aus geht es entweder wieder zurück nach Dubai oder mit der Fähre weiter in den Oman. 

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Panoramastrecke durchs Hajar-Gebirge

Von der Kleinstadt Rustaq aus, geht es über ziemlich anstrengende, steile Schotter- und Sandpisten auf einen 2000 m hohen Pass hoch. Die aufregende Strecke führt an schmalen Felsstürzen entlang und oftmals ist kein Platz, um ein anderes Fahrzeug vorbeizulassen. Je weiter wir uns in Richtung Pass bewegen, umso waghalsiger und steiler werden die Kurven. Unterwegs stoppen wir im Wadi Bani Awf, einer prächtigen Schlucht mit hohen Felswänden. An den Rand des Wadis klammern sich Dörfer mit Dattelplantagen und wir erhalten einen Einblick in das ländliche Leben jenseits der bevölkerten Ebene. Etwas weiter oben kommen wir an Bilad Sayt vorbei, das mit seiner postkartenschönen Kombination aus Terrassenfeldern und traditionellen Häusern wohl eines der hübschesten Dörfer des Landes ist. 

Besonders eindrücklich ist der Anblick der Schlucht Snake Gorge, die sich tief in die Felsen gräbt und wohl ein wunderbares Wanderziel wäre. Nach über vier Stunden Fahrt erreichen wir auf 2000 Metern einen windigen und exponierten Aussichtspunkt und blicken auf eine karge mondähnliche Felslandschaft. Von hier aus führt eine perfekt asphaltierte Strasse runter ins malerische Oasendorf Al Hamra. 

Al Hamra liegt am Fuss der Berge und ist eines der ältesten Dörfer des Omans. Wir besuchen den alten Stadtteil und erfahren mehr über die frühere Bauweise. Im Oman wurden natürliche Baumaterialien wie Holz und Steine verwendet und für den Putz wurde Lehm mit Stroh vermischt. Dies sorgte für einen kühlenden Effekt im Sommer, doch Wind und Regen setzen dem Lehm zu und es müsste immer etwas ausgebessert werden und daher überrascht es nicht, dass wir im alten Dorfkern viele verfallene zwei- und dreistöckige Lehmhäuser sehen. Man sieht den starken Kontrast zwischen den neu verputzten Häusern, welche teilweise noch in einem guten Zustand sind und den alten Häusern, die nicht mehr restauriert wurden. Im lokalen Museum erhält man einen Einblick über das traditionelle Leben früher. 

Während wir durch die Oasendörfer schlendern, kommen wir immer wieder an den Falaj vorbei, eine einzigartige Bewässerungsmethode. Die in die Erde eingegrabenen Kanäle transportieren das Grundwasser von unterirdischen Brunnen oder den Wadis auf die Felder. Das beruhigende Plätschern des Wassers begleitet uns, während wir unter Dattel- und Bananenpalmen die Umgebung erkunden.

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Wanderung ins Wadi Shab

Entlang der einsamen Küsten gibt es ganz viele sehenswerte Stopps. Immer wieder kommen wir an weissen Sandstränden, Wadis und freilaufenden Eseln und Kamelen vorbei. Es gibt so viel auf einmal zu sehen. Besonders in Erinnerung bleibt uns die kurze Wanderung ins Wadi Shab. Zuerst geht es mit dem Boot zum Eingang des Wadis und ein schmaler Pfad führt uns entlang von Plantagen kreuz und quer durch das Wadi und über die rutschigen Felsen. Nach einer Stunde erreichen wir ein grosses Wasserbecken, von hier aus geht es nur noch durchs Wasser weiter. Wir schwimmen von Becken zu Becken und erreichen schliesslich einen schmalen Durchgang, der in eine Höhle mit einem Wasserfall führt. Es ist früh morgens und wir sind noch fast alleine unterwegs. Es ist ein herrliches Erlebnis mitten in dem eindrücklichen Wadi zu schwimmen. Idyllischer geht es kaum als an einem frühen Morgen das Wadi Shab zu besuchen. Doch keine Sorge, es gibt noch ganz viele andere schöne Wadis mit natürlichen Swimmingpools im ganzen Land verteilt.

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Das war nur ein kleiner Ausschnitt unserer Erlebnisse im Oman, denn es gab noch den lautstarken Ziegenmarkt von Nizwa, der Aufenthalt zwischen Kamelen und Sanddünen in der Wahiba Sands Wüste, die gemütliche Hauptstadt Muscat, alte Dhow-Werften in Sur und ganz viele versteckte Lehmdörfer und Forts, die zum Entdecken einladen. Der Oman ist absolut eine Reise wert und wir können eine Reise ins Weihrauchland nur wärmstens empfehlen. 

Einen kleinen Eindruck dieser Reise findet sich im Video unten, 
viel Vergnügen beim Mitreisen.

Da möchte ich hin!

Wüstenabenteuer Oman
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