
Wann? September / Oktober 2019
Wie lange? 2 Wochen
Wer? 8 entdeckungsfreudige Tourismusstudenten
Route: Bangkok – Medan – Dschungel-Trekking – Bukit Lawang – Tangkahan – Medan – Pulau Weh – Kuala Lumpur – Singapur
Highlights: freilebende Orang-Utans, Dschungel-Trekking, Baden mit Elefanten und der paradiesische Strand auf Pulau Weh
Fällt das Wort «Asien», denken die meisten wohl an weitläufige Reisterrassen, riesige Tempelanlagen, die traumhaften Strände Thailands oder an die chinesische Mauer. Die eher unbekannte Insel Sumatra im indonesischen Inselstaat spielt hier in den Überlegungen der meisten Fernweh-Patienten wohl keine Rolle – sollte sie aber.
Leicht war es nicht, sich im morgendlichen Pendlerstrom, beladen mit Schultasche, Rucksack und dem Reisekoffer, durch die Zürcher Bahnhofsunterführung zu quetschen. Die Vorfreude überwiegte aber. Gleich im Anschluss an den Unterricht würden wir vom Zürcher Flughafen abheben in Richtung Südostasien. Unser Dozent an der Höheren Fachschule für Tourismus in Zürich, Lukas Meier, stellte für uns eine Südostasien-Reise der Extraklasse zusammen.
Am Flughafen stehend überkam uns das Reisefieber dann immer mehr. Es würde für jeden die erste Reise auf den asiatischen Kontinent darstellen. So flogen wir zuerst mit der Austrian Airlines nach Wien und von da aus in Richtung Bangkok, wo wir eine Nacht als Zwischenstopp verbringen würden. Die Strapazen des langen Nachtfluges konnten durch den vorzüglichen Rotwein, den uns die Flight Attendants ausschenkten, etwas gelindert werden. Am internationalen Flughafen Suvarnabhumi holten uns ein Mitarbeiter des Hotels inklusive Fahrer ab. Während der einstündigen Fahrt überraschte uns der Guide mit seinem makellosen «Bärndütsch» und erklärte uns, dass er zuvor dreissig Jahre in Bern gelebt habe. Nachdem sich im Hotel alle etwas frischgemacht haben, erkundeten wir gegen Abend alle gemeinsam die berühmte Khao San-Road, an der sich unser Hotel befand. Ein Backpacker-Epizentrum, das niemals schläft; genauso wie die ganze Stadt. Was uns schon auf der Fahrt ins Hotel aufgefallen war, wurde hier nochmals sehr deutlich. Dort, wo in anderen Mega-Cities üblicherweise Werbeplakate hängen, präsentieren sich hier gigantische Porträts des Königs, welche überall in der Stadt zu sehen sind.
Wir schlendern durch die Gassen, weichen den Tuk Tuk’s aus und probieren Frühlingsrollen an einem der zahllosen Stände am Strassenrand. Entlang der Strasse lassen sich Nachtclubs und gemütliche Bars finden, in denen man sich die ganze Nacht um die Ohren schlagen könnte. Wir belassen es aber bei einer Bar, nachdem wir zuvor in einem Restaurant ein vorzügliches Pad Thai vorgesetzt bekamen. Der Schlafmangel vom langen Flug machte sich langsam aber sicher bemerkbar und da wir am nächsten Morgen ohnehin weiterreisen würden, begaben wir uns relativ zeitig zurück ins Hotel.
Nachdem wir unsere sieben Sachen gepackt und gefrühstückt haben, wurden wir von den Hotelangestellten zurück zum Flughafen gebracht. Nun erwartete uns der Flug zum Hauptteil der Reise: die indonesische Insel Sumatra. Gemäss Programm erwartete uns ein Dschungel-Trekking, Begegnungen mit freilebenden Orang-Utans und anschliessend eine traumhafte Badeinsel. Am Flughafen Kuala Namu in Medan wurden wir von unserem Guide abgeholt, welcher uns während unseres ganzen Aufenthaltes begleiten sollte. Deslim ist Indonesier, spricht aber nebst Englisch auch Deutsch und Niederländisch und war uns gleich von Anfang an sympathisch. Er trug ein T-Shirt jener Orang-Utan-Auffangstation, welche wir besuchen würden. Nach einer etwa dreistündiger Fahrt erreichten wir unser Ziel tief im Dschungel: Bukit Lawang. Ein idyllisches Dorf an einem Fluss gelegen. Es war bereits am Eindunkeln, als wir zur Jungle-Lodge kamen, wo wir übernachten würden. Am nächsten Morgen besammelten wir uns bei einem Kiosk, um unsere Wasservorräte für das zweitägige Dschungel-Trekking sicherzustellen. Anschliessend machten wir uns zusammen mit Deslim und zwei weiteren Guides auf. Nicht lange, nachdem wir das Dorf verlassen hatten, kamen wir in ein Gebiet mit vielen Kautschuk-Bäumen. Unsere Guides erklärten uns daraufhin, wie die Dorfbewohner hier den Kautschuk gewinnen. Die Baumrinde wird kanalförmig aufgeschnitten, dass der Kautschuk nach unten fliesst. Bei der Wurzel wird dann eine leere Kokosnussschale angebracht, wo die Flüssigkeit hineintropfen kann. Wir gingen weiter und sichteten nach einer Weile die ersten Orang-Utans. Die Tiere leben in freier Wildbahn in einem Nationalpark. Das Rehabilitationszentrum wurde aufgrund der drastisch zurückgehenden Anzahl der Orang-Utans gegründet. Dies hauptsächlich wegen der Jagd auf die Tiere und der Abholzung des Regenwaldes. Die Affen kennen die Guides inzwischen gut, sie besuchen sie regelmässig und da die Tiere wissen, dass sie auch immer Bananen und andere Früchte mit sich tragen, sind sie sehr zutraulich. Etwas komisch ist einem schon zumute, wenn sie um einen herumlaufen, wenn man bedenkt welch grosse Kräfte ein Orang-Utan besitzt. Handgreiflich werden sie aber nur bei den Guides, wenn es zu lange dauert, bis sie die Bananen erhalten. Dann zeigen sich die Tiere aber sehr zufrieden und posieren brav für Gruppenfotos und Selfies.
Weiter geht es durchs grüne Dickicht, vorbei an lianenbewachsenen Mammutbäumen und atemberaubenden Aussichtspunkten. Gegen Abend erreichen wir unser Camp, welches an idyllischer Lage direkt an einem kleinen Fluss gelegen ist, der sich durchs Camp schlängelt. Wir montieren Badehose und Bikinis und folgen Deslim auf seinem Weg flussaufwärts. Nach etwa 10 Minuten kamen wir zu einem natürlichen Becken und entspannten uns eine Weile im klaren, erfrischenden Wasser. Eine Gruppe Einheimischer, welche auch zu unserem Tross gehören, sind uns vorausgeeilt und haben inzwischen die Zelte und das Abendessen vorbereitet. Nachdem wir wieder zum Camp hinabgestiegen sind, erwartete uns ein reichhaltiges «Jungle-Dinner» mit diversen schmackhaften indonesischen Spezialitäten. Der humorvolle Deslim gab wie sonst auch immer lustige Geschichten von sich und lernte uns einige Worte Indonesisch. Nach einem langen, ereignisreichen Tag gingen wir früh schlafen.
Am nächsten Morgen wachten wir früh und einigermassen ausgeschlafen auf. Nach dem Frühstück zogen wir ziemlich bald wieder los und mussten aufgrund der nächtlichen Regengüsse, welche in den Tropen häufig vorkommen, noch besser aufpassen als am vergangenen Tag wegen des rutschigen Bodens. Auf dem Rückweg zeigte uns Ayu, der zweite Guide nebst Deslim, eine ganze Reihe höchst seltener Vögel, die wohl in keinem Zoo zu bestaunen sind. Die Plätze, an denen wir Orang-Utans trafen, häuften sich. Mal sah man einzelne Tiere, manchmal ganze Familien mit Baby-Orang-Utans, welche sich trotz ihrer geringen Grösse mühelos an Lianen durch die Bäume schwangen. Letztendlich kamen wir an einen Fluss, an dem auch das Dorf Bukit Lawang liegt, wo unsere Jungle Lodge steht. Mittels Tubing soll es nun die restliche Strecke auf dem Fluss zurück ins Dorf gehen. Wir bestiegen die Rafting-Boote und liessen uns also bis nach Bukit Lawang treiben, was unser Trekking-Abenteuer perfekt abrundete. Einheimische Kinder, welche am Fluss spielten, nahmen uns in Empfang und klatschten mit jedem von unserer Gruppe ab. Bereits auf dem Rückweg zur Lodge freuten wir uns auf die anschliessende Dusche. Zum Abendessen trafen wir uns im Restaurant der Lodge und genehmigten uns dazu ein «Bintang», das lokale Bier der Indonesier. Die Gesamtrechnung hatte es in sich: Zwei Millionen indonesische Rupien hatten wir zu bezahlen. Da die Inflation in Indonesien aber äusserst hoch ist, bezahlten wir umgerechnet nur etwa 140 Schweizer Franken. Am gleichen Abend verabschiedeten wir uns auch von Ayu und den anderen Guides. An den kleinen Geschenken, die wir Ihnen überreichten, hatten sie grosse Freude, vor allem an den Schweizer Armeemessern, welche sie im Dschungel natürlich gut gebrauchen konnten.
Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen und verstauten sie in den Jeeps, welche uns nach Tangkahan bringen würden. Bekannt ist das Dorf vor allem für das Elefantencamp, was auch bei uns auf dem Programm stand. Die Fahrt führte an vielen Dschungel-Dörfer vorbei, wo die Menschen sehr einfach lebten. Aber überall wo wir hinkamen, wurde uns lächelnd zugewunken. Viele der Dorfbewohner arbeiteten in den Palmöl-Plantagen, welche sich endlos zwischen Wegrand und Dschungel erstreckten. Um die Mittagszeit erreichen wir Tangkahan. Unsere Lodge befand sich auf der anderen Flussseite als das Dorf. Also überquerten wir auf einer Hängebrücke den Fluss, an dessen Ufer sich auch das Elefantencamp befindet. Von den Balkonen konnte man in der Hängematte liegend auf den Fluss und über grosse Teile des Dschungels blicken. Nach einem Lunch liefen wir zum Elefantencamp. Dieses entstand, um dem illegalen Holzschlag Einhalt zu gebieten. Bis heute besteht die Hauptaufgabe der Elefanten darin, die Wälder zu patrouillieren und vor illegalem Holzschlag und Wilderei zu schützen. Die Bewohner Tangkahans haben viel dazu beigetragen, das Gebiet in ein ökotouristisches Reiseziel zu verwandeln. Dass wir nun den Tieren so nahe kommen konnten, war überwältigend. Da störte auch der sintflutartige Regen nicht, welcher eingesetzt hatte. Wir fütterten und wuschen die Elefanten mit Bürsten am Ufer des Flusses. Ein junger Einheimischer hielt eine Plastikplane über sich und folgte uns mit einem Handy, um für uns das Foto schiessen zu übernehmen. Zum Abschluss gab es Gruppenfotos und eine Dusche aus dem Rüssel der Elefanten. Ziemlich durchnässt trafen wir bei der Lodge ein, aber Deslim hatte eine Idee, um sich aufzuwärmen. Er lief zum Ufer und durchschwamm den Fluss, auf dessen gegenüberliegender Seite eine Felswand war, und animierte uns, es ihm gleichzutun. Wir folgten ihm, als er in einer der Felsspalten verschwand. Das Wasser reichte noch etwa bis zur Hüfte, jedoch wurde es bald spürbar wärmer und es roch nach Schwefel. Indonesien ist übersät mit Vulkanen. An den Inseln Sumatra, Java, Bali, Lombok und einigen anderen reihen sie sich aneinander, weil dort zwei Erdplatten aufeinandertreffen. Das Wasser wird hier also von der Erde erwärmt und wir befanden uns also quasi in einer Art natürlichem Geothermalbad.

Am nächsten Tag verliessen wir Tangkahan, statteten vorher aber noch einer örtlichen Schule einen Besuch ab. Auf dem Weg dahin besorgten wir einige Geschenke in Form von Schreibblöcken, Stiften etc. Auf dem Schulhof angekommen, liefen die Kinder scharenweise in unsere Richtung und gaben stolz ihre Englischkenntnisse preis, in dem sie uns mit Fragen löcherten. Wir wurden von der Schulleiterin empfangen und durften während einer Englisch-Lektion dabei sein und viel mit den Kindern interagieren. Das ganze Inventar war veraltet und nur teilweise funktionstüchtig. Aber wenn wir die Kinder fragten, ob sie gerne in die Schule gehen, nickten sie eifrig und sagten, was ihr Traumberuf sei. Das Szenario verleitete mich wieder einmal zum Nachdenken in Bezug auf unser privilegiertes Leben in der Schweiz.
Wir fuhren den weiten Weg zurück nach Medan, wo wir nach einigen Tagen im Dschungel in einem 5-Sterne-Hotel logierten. Selten hat sich ein bequemes Bett und eine Dusche mit warmem Wasser so gut angefühlt. Am frühen Morgen holten uns unser Fahrer und Deslim beim Hotel ab und fuhren mit uns zum Flughafen Medan. Von hier aus flogen wir nach Banda Aceh an der Küste und dann weiter mit der Fähre auf die traumhafte Insel mit Namen Pulau Weh. Das schmucke Hotel Casanemo in Sabang wird von einem Mann aus dem Kanton Tessin geleitet; er hielt sich aber zur selben Zeit in der Schweiz auf. Das Hotel bestand eigentlich nur aus Bungalows und war so ziemlich das Einzige an diesem weissen Sandstrand. Die Anlage war sehr gepflegt und überall mit seltenen Pflanzen ausgestattet, welche man selbstständig aufzog. Dazu gehören auch ein Freiluft-Restaurant und eine Strandbar. An diesem wunderschönen Fleckchen Erde erholten wir uns die nächsten anderthalb Tage prächtig.
Als wir nach dem kurzen Strandurlaub unseren Fuss am Hafen von Banda Aceh wieder auf Land setzten, wartete Deslim bereits auf uns. Bevor wir nach Kuala Lumpur abfliegen, zeigte er uns die Stadt Banda Aceh. Der grosse Tsunami während der Weihnachtstage 2004 hatte hier besonders viel zerstört und in der Provinz Aceh etwa 167'000 Todesopfer gefordert. In der Stadt lagen an verschiedenen Stellen Schiffwracks, welche der Tsunami bis tief ins Landesinnere transportiert hatte. In einem grossen Tanker war ein Museum eingerichtet. Das Highlight war ein Fischkutter, welcher auf einem Gebäude festsass und bis heute nicht bewegt wurde. Äusserst sehenswert ist auch das Tsunami-Memorial im Zentrum der Stadt. Nach dem Mittagessen in einem typisch indonesischen Restaurant fuhren wir an den Flughafen, um nach Kuala Lumpur zu fliegen. Schweren Herzens nahmen wir von Deslim Abschied, welcher unseren Aufenthalt auf Sumatra mit seiner humorvollen Art und seinem allumfassenden Wissen über Indonesiens Inselwelt unvergessen machte.
Wir landeten abends und nahmen die Metro in Richtung Stadt. Dank der genauen Beschreibung fanden wir das Hotel ohne grosse Mühe. Vom Hotel aus begaben wir uns dann auf Erkundungstour durch das Nachtleben und blieben in der nahegelegenen Ausgangsmeile Changkat Bukit Bintang hängen, welche sehr zu empfehlen ist. Es ist eine Art Allee, auf beiden Seiten der Strasse befinden sich einladende Bars und Restaurants. Wir mussten uns erst an die Millionenmetropole gewöhnen; die letzten Tage verbrachten wir in kleinen Dörfern mitten im Dschungel. Am nächsten Tag war Sightseeing und Shopping angesagt. Nirgends sind Markenartikel so günstig wie in Kuala Lumpur. Die Shoppingcenter sind gigantisch und vor allem am Wochenende ziemlich belebt. Die Bevölkerung Kuala Lumpurs ist ein Gemisch aus Moslems, Buddhisten, Hinduisten, Christen und vielem mehr. Sie leben in Frieden miteinander und die Tempel, Kirchen und Moscheen befinden sich oft auch gleich nebeneinander. Wir liefen durch den KLCC-Park und sichteten von dort aus die markantesten Wolkenkratzer, die Petronas-Twin-Towers, von deren Spitze sich die Stadt wunderbar überblicken lässt. Ein Geheimtipp für einen Drink am Abend: Die Heli Bar! Das Dach des Hochhauses ist begehbar und war früher ein Helikopter-Landeplatz. Von dort aus lässt sich der Sonnenuntergang wunderbar beobachten. Bei Nacht sieht die Stadt von oben herab nochmals ein Stück faszinierender aus.

Am nächsten Morgen packten wir unsere Sachen, um nach Singapur zu fliegen, von wo wir um Mitternacht den Rückflug in die Schweiz antreten würden.
Vom Changi Airport ist man relativ zügig in Downtown, wo sich die gläsernen Wolkenkratzer majestätisch erheben. Unsere begrenzte Zeit nutzten wir, um uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Marina Bay anzugucken, wie das Art Science Museum mit seinen Galerieräumen, die die Welten der Kunst, Kultur, Wissenschaft und Technologie beleuchten, das gigantische Marina Bay Sands Sky Park Hotel mit seinem Dachgarten inklusive 146 Meter langem Infinity-Pool, welcher von den drei Hoteltürmen getragen wird, und natürlich Gardens by the Bay. Letzteres ist ein riesiges Parkgelände und ein Erholungsgebiet für die Stadtbevölkerung. Markant sind die SuperTrees, pflanzenbewachsene Stahlgerüste in Form eines Baumes. Diese erreichen Höhen von bis zu 50 Meter und dienen u.a. der Aufzucht seltener Pflanzen. Einige der Türme sind in luftiger Höhe mit einer Hängebrücke verbunden. Nachts werden die Türme beleuchtet und es finden zweimal täglich monatlich wechselnde 15-minütige Licht- und Tonshows statt. Aufgrund des dicht gestaffelten Programms und auch den vielen Eindrücken der Reise machte sich bald die Müdigkeit breit und wir sassen in ein kleines Café mitten in der Gartenanlage und liessen die Reise gemeinsam Revue passieren, bevor es für uns dann zurück nach Zürich ging.